Zur Erklärung: Dieses Referat durfte ich in meiner Zeit als Auszubildender einmal freiwillig für den Unterricht erstellen und bei meiner Lehrerin abgeben. Ich habe damals dafür keine Zensur bekommen, was aber auch nicht schlimm war, da ich den Block sowieso am Ende des Ausbildungsjahres mit einer glatten 1 abschloß. *Grinsgrinsprollproll* Ich bekam nur eine kleine Anmerkung in der etwas wie „Ich lese mir alle Referate immer sehr gründlich durch… insgesamt sehr unterhaltsam…“ stand. Ich kann den genauen Wortlaut leider nicht wiedergeben, da ich hier nur die Kopie wiedergefunden habe. Viel Spaß mit meinem Referat von ca. 2004/05
Das hier ist jetzt mein zweiter Versuch einen hübschen Aufsatz zu schreiben über das Thema „Der Euro und seine psychologische Wirkung“. Der erste Versuch sah aus wie ein 08/15 Standardreferat, welches ich aber wieder verworfen habe, da es einfach zu langweilig war und ich immer wieder vom eigentlichen Inhalt abkam. Ich schrieb Sachen wie: „Die Verträge von Maastricht 1991…“ oder war es 1992? Ich habe es leider nicht richtig herausfinden können, da in der einen Quelle Dezember 1991 stand und in einer Anderen Januar 1992. Problem gelöst: Einfach umgehen und mal eine andere Form von Referat ausprobieren. Da es ja freiwillig ist, kann eigentlich auch nichts schief gehen, solange ich einigermaßen beim Thema bleibe, denn allzu leicht verfällt man in langweilige Statistiken und der Leser bzw. Hörer schaltet nach wenigen Minuten ab und man lässt sich von den Informationen nur noch berieseln. Zum einen Ohr rein – zum anderen raus.
Mein Vater hat einmal einem Praktikanten eine Art Strafaufgabe gegeben, weil dieser nie richtig spurte. Der arme Praktikant sollte einen Aufsatz über „Das Liebesleben der Marienkäfer“ schreiben. Also war es wohl eher als Scherz gemeint und sollte den Praktikanten höchstens ein wenig erschrecken, denn wer schreibt schon gerne einen Aufsatz über ein Thema über das mal wirklich Null Ahnung hat?
Doch was passierte? Der Prakti setzte sich sich an Bücher und wälzte alles was es über Marienkäfer gibt. Er recherchierte alles und hatte schließlich einen 12-seitigen Aufsatz erstellt. Als er diesen dann abgab, wunderten sich doch Viele. Ihm wurde erzählt, dass dieses doch eher ein Scherz gewesen wäre,es aber sehr lobenswert sei, dass er ausführlich und sorgfältig arbeitete. Fast jeder las dieses kleine Werk, denn niemand wusste soviel über Marienkäfer, wie dieser Praktikant zu diesem Zeitpunkt.
Warum ich das hier aufschreibe? Keine Ahnung. Vielleicht nur so als kleine Anekdote zum Anfang. Amerikanische Politiker machen auch gerne mal einen kleinen Scherz bevor sie einen ernsten Vortrag halten.
Jetzt bin ich doch etwas von Thema abgekommen. Wie finde ich nun eine Überleitung von einem Referat über Marienkäfer zu einem Aufsatz über die psychologischen Auswirkungen des Euro?
Mal versuchen…:
Wussten Sie dass ein mitteleuropäischer Marienkäfer ungefähr ein Jahr lang lebt? Apropos Mitteleuropa. In Mitteleuropa, genauer in Maastricht wurde im Jahr 1991/1992 ein Vertrag abgeschlossen. Dieser Vertrag beinhaltete viele einschneidene Änderungen für Europa. Zum Beispiel sollte spätestens 1999 eine gemeinsame Währung für alle Mitglieder des EWS eingeführt werden. Jetzt entstehen wieder neue Fragen. Warum wollten die das? Wer macht da mit und was ist EWS? Ich möchte ausnahmsweise mal die zweite Frage zuerst beantworten. Aaaalso, beschlossen hat das der europäische Rat. Man sollte jetzt aber nicht den europäischen Rat mit dem Europarat oder dem Rat der europäischen Union verwechseln. Der europäische Rat besteht aus Staatschefs aller europäischen Länder. Zum Beispiel war Gerhard Schröder mal Ratsvorsitzender im ersten Halbjahr 1999. Das ist aber trotzdem kein Job voller Lorbeeren, Wein, Weib und Gesang. Jeder Staatschef kann dieses werden und fast jeder wird einmal Ratsvorsitzender, denn die wechseln alle 6 Monate und eine Versammlung wird nur vierteljährlich einberufen.
Und was ist der, die oder das EWS?
Also die EWS ist das europäische Währungssystem. Es sorgt für stabile Geldwerte unter den Mitgliedern. Fast alle Länder der europäischen Union gehören dem EWS an. Die Mitgliedschaft war Voraussetzung für die Einführung des Euro.
Und warum wollten die Mitglieder des EWG eine gemeinsame Währung?
Nun, eine gemeinsame Währung unter den europäischen Staaten sollte zu einem florierendem Handel führen. Preise sind dann absolut vergleichbar und regt somit den Wettbewerb stärker an. Der Euro sollte jedoch auch Vorteile für den Verbraucher haben. Er sorgt für ein stabiles Währungsmittel und unterdrückt somit die Inflation. Der Wohlstand der europäischen Bürger sollte sich mehren.
Jedenfalls einigten sich diese oben genannten Staatschefs 1979 über die Einführung einer Gemeinschaftswährung. Die nannte sich zuerst ECU und sollte zuerst nur als Rechenfaktor funktionieren. Weder Banken noch Privatleute mussten sich um diesen geheimnisvollen ECU scheren, denn kein Schwanz rechnete mit ihm.
(Für den letzten Satz möchte ich mich nicht entschuldigen, denn ich sehe dieses Referat als ein freies Referat an, in welchem ich hier meine künstlerischen Freiheiten voll ausleben kann. Außerdem sollte das Wort Schwanz in keiner Form anzüglich gemeint sein, sondern eher salopp im Galopp daherkommen. )
Doch zurück zum Euro. Zum Glück konnten sich die Finanzminister Europas über den Namen Euro einigen, denn wie hört sich das denn an? ECU? (gesprochen E-Küh) Ein stabiler Ecu? Absolut schwach hört sich das an! Wenn das Ding heute noch Ecu heißen würde, hätten die Amerikaner keine Angst vor ihm und Amerikaner sind – das wissen wir alle – Angstbeisser. Amerikaner haben vor allem Angst. Vor Indianern, Schwarzen, RochnRoll, Hippies, Kommunisten, Terroristen, fremde Massenvernichtungswaffen und dem Euro. Problem hierbei: Wenn Amerikaner Angst empfinden, dann muss die Angstquelle beseitigt werden. Jedoch lässt sich eine Währung kaum ausgrenzen, bombardieren, unterdrücken, infiltrieren, bestechen, durch einen Attentäter beseitigen oder durch Soldaten besetzen.
Genug Anti-Amerikanische Haltung! Das hier soll ein Aufsatz über den Euro und nicht ein Bush- oder Staatsfeindliches Pamphlet werden.
„Der Euro ist harmlos“ hätte eigentlich in den letzten Monaten vor seiner Einführung auf vielen Werbeschildern stehen müssen, denn als die Banken begannen mit dem Euro zu rechnen (1999) hatte dieses noch keine groß bemerkt und als erste Geschäfte den Euro-Preis mit auszeichneten war auch noch keiner groß informiert. Erst in den letzten paar Wochen, wenn nicht sogar Tagen vor der Einführung wurde die Nervosität größer. Menschen begannen sich Taschenrechner mit Euro<->DM Funktion zu kaufen. Sie lernten den Kurs 1,95583 auswendig und es gab sogar eine Show, die man zu Recht als Senioren-Euro-Aufklärungspuppentheater bezeichnen konnte. Dieses Senioren-Aufklärungspuppentheater konnten Altersheime mieten, damit deren Bewohner auf einfache Art und Weise den Euro kennen lernen. Den Senioren wurde dann mit Hilfe von Handpuppen klargemacht, welche Bedeutung der Euro hat und wie sie bald rechnen müssten. Es sah ein wenig aus wie damals bei uns in der Grundschule als es noch Fu und Fara gab, nur das es eben um Euros ging und nicht um Uta und Oma. Außerdem war das Publikum ungefähr 80 Jahre älter. Die einfachste Faustregel war aber immer noch 2 DM sind 1€. Das hätten mal mehr Menschen lernen sollen, anstatt sich teure Taschenrechner zuzulegen. Denn einige findige Geschäftsleute haben zuerst ihre Waren mit 1 DM = 1 Euro umgerechnet und somit den großen Reibach gemacht.
Senioren die sich nicht über das Fernsehen, Zeitschriften oder per Senioren-Euro-Aufklärungspuppentheater informierten, konnten leicht über das berühmte Ohr gehauen werden, wenn der nette Nachbarsjunge oder der liebe Zivi plötzlich 50€ statt 50DM zum einkaufen braucht.
Ich selber habe als Zivi in diese Umstellungszeit als Fahrer beim roten Kreuz gearbeitet, viel mit alten Menschen zu tun gehabt und musste immer wieder feststellen, dass viele ältere Menschen es doch sehr schwer mit dem Euro hatten und es auch immer noch haben. Es wurde mir fast immer zu viel Geld mitgegeben. Normale Standardeinkäufe wie: „Hier hast du 20 DM. Kauf alles was auf dem Zettel steht. Müsste 1,45 DM übrig bleiben. Die sind dann für dich.“ Waren Alltag im Jahr das auf den 11. September beschränkt zu sein scheint. Doch was war im Jahr 2002? „Kauf alles auf dem Zettel. Hier hast du 50 €. Kannst du bitte den Kassenbon mitbringen? Ich muss nachher noch mal alles nachrechnen.“ Oder besser/schlimmer „Hier ist dein monatlicher Zehner Trinkgeld. Hast doch immer ‘nen Zehner bekommen.“ Es gab Zeiten in denen die Leute bis zu 20 € Trinkgeld gaben. Ein Kollege hat einmal 200€ bekommen, weil er einem betagten Mann die Gehhilfe durch das Treppenhaus getragen und seine übergroße Seniorenuhr neu gestellt hat. Ein schlechtes Gewissen hatte dieser Zivi offensichtlich nicht. Nein, er prahlte sogar damit den Rekord für Trinkgeldeinnahmen für immer gebrochen zu haben. Der Rekord lag vorher bei 1x monatlich 50 DM von einer Person. Um diese Person wurde immer gestritten. Jeder wollte am Monatsanfang die Tour fahren auf welcher dieser Herr war. Kein Streit gab es um einen anderen Kerl, der eigentlich sehr nett war, aber immer nur 30 Pfennig Trinkgeld gab und schnippisch meinte: „Dafür können Sie sich nach Feierabend ein Bier kaufen.“ Hätte ich machen können, wenn wi das Jahr 1960 gehabt hätten oder ich mir für 30 Pfennig eine Dose Karlsquell von Aldi leiste. Jedenfalls hätte ich das bis Dezember 2002 machen können. Denn 2003 wurde der Dosenpfand eingeführt und diegute alte Karlsquelldose starb recht schnell aus. Aussterben werden leider auch die Leute, die die Hyperflation der 20er Jahre erlebten. 1923 war 1$ geschlagene 4,2 Billionen Reichsmark wert (4.200.000.000.000 RM). Erst mit einer Währungsreform konnte dieses wieder einigermaßen unter Kontrolle gebracht werden. Das Geld wurde 1:1 Billion umgetauscht. Gesetzliches Zahlungsmittel war die sogenannte Rentenmark zwar nicht, aber man konnte doch endlich wieder, zu Lasten der Preisauszeichnungsschilderindustrie, in kleineren Zahlen rechnen. Eine weitere große Währungsreform erfolgte im Juni 1948 als die Reichsmark endgültig von der Deutschen Mark abgelöst wurde. Westdeutschland führte als erstes eine eigene Währung ein, daraufhin konterte der sowjetisch besetzte Ostteil Deutschlands ebenfalls mit einer eigenen DDR Währung. Einfallsreich war das zwar nicht, aber den Rest der Geschichte kennen wir ja.
1989 wurde noch einmal das deutsche Papiergeld modernisiert. Es sah ja auch allzu abscheulich und urig aus. Auf dem Zehner war ein Kerl mit riesiger Dauerwelle und auf der Rückseite ein Piratenschiff. Auf dem Zwanziger war eine Frau mit gigantischen Hinterkopf (Elsbeth Tucher, noch nie was von dieser frau gehört), auf dem Hunderter und dem Fünfhunderter waren Männer, die ebenfalls wie Piraten aussahen und auf dem Tausender prangte ein ca. 70 jähriger , zotteliger Mann, der aussieht als ob er gerade aus der Dusche kommt.
Diese bizarren Ansichten hatte ich zumindest. Die Wiedervereinigung nutzte man um diese Piraten- und Rentnerscherzfotowährung zu verschönern. Die Scheine wurden durch modern aussehende ersetzt und mit den gewohnt zweit und drittklassigen Promis der deutschen Vergangenheit verziert. Die einzigen, die ich von den neuen Aufdrucken kannte war Carl Friedrich Gauß, der es immerhin schaffte Millionen von Mathematikschülern und Studenten mit seinen Gaußschen Formeln zum verzweifeln zu bringen und dann kannte ich noch die beiden Märchenonkel namens Gebrüder Grimm, die wiederum den begehrten 1000er zierten.
Mich würde es nicht wundern, wenn 2100 eine neue Währungsreform die Halbpromis von Heute zum Thema nehmen würden. Auf dem 10er wäre Tatjana Gsell, auf dem 20er Uschi Glas, auf dem 50er Daniel Küblböck, der 100er wäre mit Guido Knopp versehen, auf dem 200er prangt Karl Dall und auf dem 500er lächelt uns Thomas Anders an. Wo wir doch gerade bei Thomas Anders sind. Anders wollten es auch einige politische Splitterparteien und rechtsgerichtete Gruppen, die versuchten Stimmen für sich zu gewinnen, indem sie eine Pro-DM Haltung einnahmen. Schließlich wollte man den Euro doch gar nicht so unbedingt und gefragt wurde man ja schließlich auch nicht. Die Einzigen, die sich bei der Abstimmung ein kleines Sonderrecht erstritten waren Großbritannien, Dänemark und Schweden. Dieses Sonderrecht gab vor, dass diese beiden Länder ihre Bevölkerung mit in die Entscheidung einbezogen. Leider sind diese drei Länder alte Monarchien mit verbundenen Traditionen. Länder mit Monarchen kamen mir schon immer etwas konservativ vor, aber besonders klar war es eigentlich bei den Briten, die ja niemals eine Brücke von Frankreich über den Kanal auf ihre Insel gutheißen würden. Sie könnten dadurch ihr Jahrtausende altes „Inselfeeling“ verlieren. Alleine der Bau des Eurotunnels (Höhö. Schon wieder Euro) wurde seit 1880 immer wieder verschoben, weil die Technik nicht stimmte, die Engländer Angst vor einem direkten Angriffsweg für die Franzosen hatten oder mal wieder das Geld ausging. Vom Eurotunnel (Höhö) zurück zum Euro. Die Engländer stimmten ab und stimmten klar gegen den Euro. Sie wollten weiterhin ihre Pfund und komplizierten Inches, Feet, und Squaremiles behalten. Alleine für Alkohol haben die Engländer 12 Einheiten! (Gallon, Firkin, Kilderkin, Barrel, Hogshead, Rundlet, Tierce, Puncheon, Tertian, Pipe, Butt und Tun)
Die Dänen und Schweden stimmten knapp gegen den Euro. In Schweden wird es vor 2013 keine neue Abstimmung geben. Tja die skandinavischen Länder waren schon immer etwas eigen, wenn mal einer von Außerhalb was von ihnen wollte. Der alleinige Ausreißer ist jedoch Finnland. Finnland ist so ein wenig das schwarze Schaf des politischen Skandinaviens. Finnland hat aber auch eine hübsche Sprache mit ganz vielen Üs, Ös, Äs und Ypsilonen. Es gibt laut Max Goldt sogar ein längeres Wort, dass zu 50% aus Ypsilonen besteht. Hyppytyyny. Dieses Wort bedeutet ungefähr soviel wie „Hüpfkissenbefriedigung“ was ein unglaublich doofes, aber irgendwie doch auch eigenartiges Wort ist. Finnland! Deine Sprachkultur gehört vergoldet!
Zurück zu Lück
Nach der Einführung herrschte allgemeines Unbehagen. Niemand wußte genau was eine Tüte Milch kostet oder ob man an der Kasse mal gerade wieder über das oben genannte Ohr gehauen wird. Der gesamte Konsum ging zurück. Viele Konsumenten mussten dauernd alles umrechnen und kamen immer wieder zu den Ergebnis, dass alles teurer wurde. Also wurde der Euro nach dem Volksmund in Teuro umgetauft. Der Euro wurde von vielen Menschen wie der ungeliebte Verwandte betrachtet, der auf der letzten Hochzeit mal wieder sturzbetrunken schmutzige Lieder sang. Viele Leute horteten sogar ein kleines Vermögen an Altwährung, um das Versagen des Euros und die Wiedereinführung der DM zu überleben. Diese Widerstandskämpfer verstecken heute noch mehrere Millionen DM in Socken, Schränken und Tischbeinen oder haben die Beträge ganz einfach in irgendwelchen alten Portemonnaies. Höchstwahrscheinlich vergraben eben diese Leute ihre DM-Schätze in Ostpreußen, Pommern oder im Masurenland, weil das ja auch alles eines Tages wiederkommt. Jaja. Ihr mich auch.
Immer noch gibt es verzweifelt Angebote, welche man auch mit DM bezahlen kann. Supermärkte und Bekleidungsverbrecher werben immer noch Omis an, welche auf dem einem oder andren Markstück oder -schein sitzen. Zu Weihnachten gab es in Heide immer eine Punschbude, die immer noch DM annahm. Zwar zum Senioren-Euro-Aufklärungspuppentheaterkurs von 1€ = 2DM, aber wahrscheinlich nutzte manch ein Spätzünder die Gelegenheit und konnte
1. (Gute Variante) somit einen leckeren, warmen Glühwein sein Eigentum nennen. Vielleicht sogar mit Schuss.
oder
2. (Böse Variante) sein ehemaligen Reichtum versaufen.
Erst in den letzten Jahren nimmt der Konsum langsam wieder zu (Anmerkung 2010: Wie gesagt, das Referat ist schon etwas älter.) Die Menschen haben sich allmählich an die Europreise gewöhnt, jedoch rechnen immer noch über die Hälfte aller Bundesbürger die Preise in DM um. Sobald der Preis gewisse Schwellen erreicht, steigt auch der Prozentsatz der umrechnenden Personen an. Bei der Preisschwelle von 100€ rechnen immer noch 75% aller deutschen um. Wie oben geschildert haben besonders die Rentner Schwierigkeiten beim umrechnen. Sie nennen 100€ einfach 100DM und halten Güter für günstig, wenn sie jetzt 50€ kosten, obwohl sie doch früher 80 oder 90 Mark kosteten. Ein großes Problem hatten auch die Einzelhändler, die ja immerhin die Kalkulation machen müssen und nun vor folgendem Problem standen:
Sagen wir mal das ein beliebiger Artikel 400 Gramm wiegt und 4,99 kostet. nun sind 4,99 aber 2,55€. Ein Preis von 2,55€ brennt aber im Augen des Kunden also müsste dann ja großzügigerweise €2,49 als neuer Preis angebracht sein. Nun drehen sich aber die toten Marketingmenschen im Grabe um und sagen dem Händler, dass er von nun an 6 Cent pro Packung weniger Umsatz machen würde. Nun gibt es 4 Strategien um den Kunden doch irgendwie den Artikel anzudrehen ohne das der im Quadrat springt.
1. Aufrunden der Preise vor der Einführung (War eher selten)
Die Preise wurden vor der €-Einführung angepasst, um sie dem €-Schwellenpreis anzugleichen
Beispiel: 49,99 DM -> 50,83 DM = 25,99 €
2. Aufrunden von Preisen nach der Einführung (Klassiker)
Die Preise werden nach der Einführung angepasst.
Beispiel :34,99 DM -> 17,89 € = 17,99 €
3. Änderung der Inhaltsmenge und deren Preisanpassung (Etwas unfair aber legal)
Beispiel:
400g kosten 4,99 DM = 2,55 €
450g kosten 2,87 DM = 2,89 €
Bei diesem Beispiel wird gerne auf Verpackungen mit zusätzlichen Gratismengen geworben („Jetzt 50 Gramm mehr!“)
4.Vorläufige Preisbeihaltung
Einige Geschäfte haben lange Zeit versucht den Preis genau zu kalkulieren und diesen dann berechnet. Diese Methode konnte sogar zu Werbezwecken dienen. („Bei uns wird ehrlich kalkuliert und nicht aufgerundet“) Jedoch passten dich mit der Zeit so ziemlich alle dem Schwellenpreis an.
also eigentlich haben wir alle immer noch die DM im Kopf und werden diese wohl auch nie vollkommen vergessen. Es ist wie mit den alten Menschen (Die müssen in diesem Referat mal richtig herhalten) und der Wehrmacht. Ich wurde einmal gefragt warum ich denn Zivildienst mache und nicht in die Wehrmacht ginge. Ich musste doch etwas über diese Frage schmunzeln. Ich und in der Wehrmacht. Ich gehe noch nicht einmal zur Bundeswehr, dann werde ich bestimmt auch nicht in die Wehrmacht gehen – blitzte es durch meinen Kopf. Doch hoffentlich schmunzeln meine Zivis nicht irgendwann über mich, wenn ich mal 5 Mark, ähhh Euro spendiere. Das letzte mal Probleme hatte ich vor kurzen in Dänemark. Da musste man laufend Kronen in Euro umrechnen. Der Rechenfaktor liegt hier bei unbequemen 1€ = 7,4 Kronen. Ich hatte ca. 450 Kronen in der Tasche und wusste nie genau, ob das jetzt viel ist oder eher wenig oder ob jetzt eine CD für 1000 Kronen teuer ist oder Bier für 35 Kronen billig. Man sagte mir noch vor dem Ausflug: „Rechne alles durch 4, dann hast es ungefähr in DM. dann rechne mal 2 und du hast es in Euro.“ Klasse! Warum nicht gleich Fahrenheit in Celsius umrechnen?
Celsius = 5/9* ( Temperatur in Fahrenheit – 32)
Bei Kronen zu Euro könnte man auch ja auch sagen: Preis in Kronen / 8, aber wer rechnet schon gerne mit dem Faktor 8?Dazu kommt, dass der Faktor 8 ja nicht einmal stimmt. Es sind eben nur 7,4 und so genau muss man auch rechnen, um herauszufinden, ob eine Tankstelle günstig oder teuer ist. Plötzlich wanderte das Wort DM wieder über meine Lippen und ich verrechnete mich mehr als einmal. „Das kostet dann 50 Mark, äh Kronen, äh Euro.“ Ich musste an meine Oma denken, die mich auch gerne mal „Marc, äh Steffen, äh Jan.“ nennt. also sämtliche Enkel auf einmal. Doch ich musste auch an die armen Südländer denken, denn ich bin echt froh gewesen, dass ich während der Umstellung in Spanien oder Griechenland heimisch war. Die haben nämlich komplett unmögliche Rechenfaktoren. Wir mit unseren 1,9-irgendwas konnten uns echt nicht beschweren. Wir konnten sagen: „2 ist nun 1″ Die Spanier mussten alles durch 166,386 und die Griechen durch 340,750 teilen. Der Spanier hatte vielleicht den Merksatz: Alter Preis / 100 * 2/3 oder 1000 Peseten sind 6 Euro. Kompliziert genug, aber für die Griechen wollte ich mir keinen Merksatz ausdenken. Die Griechen haben sich schon so viele geschichtsträchtige Sätze ausgedacht, da werden die auch noch einen ohne mich finden. Trotzdem muss die Umrechnung für den ouzoschlürfenden Mann vom Hellas es wie das Omega, das Ende der Vernunft gewesen sein.
Achtung Mammutsatz: Mein Omega möchte ich jetzt auch machen und abschließend noch erwähnen, dass der psychologische Aspekt hier vielleicht nicht gerade wissenschaftlich behandelt wurde, der Inhalt ziemlich Kraut und Rüben , eine genaue Inhaltsangabe unmöglich ist und die Preisschwellen kaum die Rede wert sind, weshalb man mich gerne läutern und tadeln kann, aber ich hoffe doch sehr, dass dieser goldige Aufsatz (Referat) vielleicht doch irgendwie unterhaltsamer war als ein langweiliges Referat, welches man nur zur Hälfte liest, Seiten überspringt, man das ganze in die Ecke schmeißt und da tagelang liegen lässt oder ganz einfach, aufgrund des langweiligen ersten Eindrucks oder viel zu langer Sätze gar nicht liest. War das ein langer Satz? Ja, das war er. Wirkte er künstlich und holperig? Ja, das tat er. Amen.
Unpassendes Schlusszitat:
„Was sagte der Prophet, von dem wir so viel lernten?
Wer Rasen säht, wird Mäher ernten.“
-Funny van Dannen
passender:
„Am Geldspielautomaten da versuchte er sein Glück-
die Umstellung auf Euro war das Ende für Mark Stück.“
-Todesanzeigen – Norbert und die Feiglinge
Donnerstag 11. März 2010
Kategorien: Damals..., Wirr . . Autor: derfatalist . Kommentare: Hinterlasse einen Kommentar