Nichts ist schöner als Gäste haben, solange sie sich benehmen. Dann kann man wirklich Stunden kaiserlichster Unterhaltung hingeben. Gäste wollen aber auch immer gerne unterhalten und verköstigt werden. Man tut also gastfreundlich und schaltet Musik ein und stellt irgendwas zum Knabbern und/oder zum trinken auf den Tisch. Bei Getränken sind die Gäste meist nicht gerade wählerisch. Sie trinken fast alles, was man ihnen hinstellt. Sie trinken Selter, aber doch lieber Cola. Trotzdem muss man ja nicht gleich den Champagner aus dem Drei-Kaiser-Jahr 1888 aus dem Keller holen und in die durstigen Gästekehlen spülen, denn wissen ja nicht, daß wir sowas haben. Wenn wir fragen „Möchte jemand was zu trinken?“ Dann immer schön „Wir haben noch Selter“ sagen. Man hat auch meistens Milch im Hause, allerdings muss die nun wirklich nicht erwähnen. 99% aller Gäste sagen Nein zu Milch und würden lieber warmen, abgestandenen Selter ohne Kohlensäure trinken als auch nur einen Tropfen Fremdmilch sich in den Rachen zu schütten. Vielleicht denken sie, dass man Muttermilch vom Meerschwein gekauft und diese dann hinter der Heizung wochenlang aufbewahrt hat. Man schüttet das eklige Zeug dann heimlich in ein Glas und kratzt noch schnell die grüne Kruste ab und schöpft die gröbsten Fettklumpen mit einem Sieb aus dem weißen Milchbrei. Grinsend serviert man dem nichtsahnenden Gast die Milch und lacht sich innerlich kaputt: „Har, Har! Der trinkt das wirklich. Har, Har!“
Ich glaube es gibt sowas wie eine Chartliste der unalkoholischen Gastgetränke.
1. kalte Cola ( am besten aus Aludose )
2. frische Apfelschorle
3. Saft (normale Sorten wie Apfel, Orange oder Multivitamin)
4. Saft ( etwas exotische Sorten wie Traubensaft, Banane, Aprikose, Pfirsich, Kiwi, Ananas, Tomate oder Rhabarber)
5. Selter mit wenig Kohlensäure
6. Selter mit viel Kohlensäure
7. Selter ohne Kohlensäure
8. Saft (extrem anormale Sorten wie Horngurke, Avocado, Litschi, Kaki, Chayote, Nashi, Pepino oder Rambutan)
9. Fremdmilch
10. Körperflüssigkeiten, Abwasser, Frittierfett, Wurstwasser…
So empfinde ich jedenfalls die Charts. Vielleicht ist es bei euch ja anders, aber ich schätze, das bis auf ein oder zwei kleine Änderungen die Charts auch mit euren übereinstimmen. Getränketechnisch sollte man sich möglichst immer auf den ersten 5 Plätzen befinden, wenn Gäste kommen. Falls nur Getränke ab Platz 6 verfügbar sind, dann am Besten das Treffen absagen bzw. nur unliebsame Gäste willkommen heißen. Diese bleiben dann auch nicht lange und haben diesen Wink mit dem Zaunpfahl bestimmt wahrgenommen. Die kommen nicht so schnell wieder.
Ne ganz andere Sache ist es mit Knabberzeug für Gäste. Wenn hier eine Packung mit gemischten Chips auf den Tisch gestellt wird, dann werden als erstes immer die Pommels aufgefuttert, danach die Stapelchips. Es folgen weiter die Flips (Volksmund der 80er sagt auch „Würmer“), die Salzstangen und als letztes bleiben immer die trockenen, namenlosen Rädchen zurück. Die werden meistens noch nicht einmal berührt oder einer erbarmt sich und nimmt höflicherweise einen im Wechsel zwischen den Pommels und den Stapelchips. Gänzlich unhöflich werden aber Gäste bei Süßzeug, wo „rot“ bei ist. Rot sind meistens die Sachen die nach Erdbeeren schmecken. Es gibt sogar so unhöfliche Leute, die sich nur die roten Gummibärchen oder nur die roten Bonbons aus Schüsseln, Schalen und Tüten mopsen. Der unachtsame Gastgeber darf nach kürzester Zeit auf die restlichen grünen, gelben und sonstiges Kroppzeug blicken. Wäre ich Herr Haribo, dann würde ich extra Tüten erfinden, die ausschließlich rote Gummibärchen enthalten. Natürlich könnten dann diese gleich das Doppelte oder das Dreifache kosten, denn das würden diese Erdbeerdiebe doch locker dafür ausgeben. Stelle mal 2 Mädchen eine Schale mit Gummibärchen hin und schau auf den Inhalt nach einer halben Stunde noch mal. Deutlich kann man hier eine Rotverschiebung erkennen. Eine Verschiebung von Rot nach Restfarben. Es dürfte eigentlich nichts mehr von rot in der Schale zu sehen sein. Das ist schon fast ein Naturgesetz:
p (Dichte) von Rot = Masse (m) / Volumen (V)
p – (p1 + Anzahl Gäste + Zeit (t)) < p
Also: Die Dichte der roten Gummibärchen nimmt mit der Anzahl der Gäste und der verstrichenen Zeit proportional ab und ist am Ende garantiert kleiner als die Dichte zum Anfang des Experimentes.
Schon merkwürdig, dass das Auge so mitisst. Wieso gibt es eigentlich so wenig blaue Nahrungsmittel? ( Außer den Schlümpfen vom Schwimmbadrestaurant vielleicht ) Es liegt wahrscheinlich an dem Fehlen von natürlichen Blau in der Natur. Es gab mal Ketchup in grün, lila und blau. Allesamt scheiterten kläglich, obwohl sie genauso schmecken sollten, wie der Rote. Aber wie würdet ihr entscheiden? Würdet ihr wirklich zu lila Ketchup greifen, wenn der Rote gleich daneben steht? Manchmal vergisst man seine Rolle als junger Revolutionär und rollt sich zur bequemen Traditionsschnecke zusammen. Man muss ja schließlich nicht jeden neumodischen Quatsch mehr mitmachen. Ehe man sich versieht wird man CDU-Wähler, Mitglied im Jagdverein Odderade, Oberlippenbarträger, Scheitelkämmer, Besitzer von einer Herrenhandtasche und Kuckucksuhrenfan.
Dann doch lieber lila Ketchup.
Immer schön revolutionieren! ruft:![]()
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