Spinnen, Pubertät und Hunde

In manchen Situationen blühen Menschen auf und werden zu einer ganz anderen Persönlichkeit. Andere verwelken zu einem bösen Gestrüpp und keiner will sie kennen. Es sind ganz normale Situationen auf die jeder anders reagiert. Die eine hüpft vor schreckt an die Decke, wenn er eine Spinne sieht. Der andere ist erfreut über den achtbeinigen Besucher und nimmt ihn auf die Hand, schaut ihn sich kurz an und lässt ihn aus dem Fenster purzeln. Der an der Decke findet diesen Gedanken bestimmt eklig, aber ist er das nicht, der sich Nutella auf’s Käsebrötchen streicht? Dann ist der Spinnenfreund wiederum nicht entzückt über diese exotische Zusammenstellung, in die der Spinnenfeind gerade reinbeißt. Bemitleiden muss man aber keinen von beiden. Haben sie nicht verdient! Es sind nur diese natürlichen Spleens, die man auch Charakter nennt. Leute, die vorgeben, sie hätten eigentlich vor nichts Angst, haben garantiert irgendwo einen ganz geheimen Makel. Sei es dass sie nicht im Dunkeln einschlafen können oder sie, wie der Zoolander, sich nicht in eine bestimmte Richtung drehen können. Es ist so etwas Ungewöhnliches, so dass sie nicht drüber sprechen wollen. Dieses ist bemitleidenswert. Es muss ja nicht gleich Angst sein, aber ein gesunder Ekel kommt manchmal besser an, als ein persönlichkeitsloser Dahergelaufener, der alles anfasst, in den Mund und mit ins Bett nimmt. Ich habe zum Beispiel einen gewissen Ekel vor Spinnen. Jetzt keinen Schreikrampf, wenn da ein Millimetergroßer Punkt über meinen flauschigen, behaarten Arm läuft, aber Kreuzspinnen im Schlafzimmer finde ich nicht schön. Die gehören nach draußen. Ähnlich, aber noch harmloser ist es mit Fröschen. Die sehen manchmal sogar ganz hübsch aus, aber ich würde doch nur ungern einen auf die Hand nehmen, da ich befürchte, dass ich sie zerquetsche oder sie mir zum Dank ihren Fäzes auf die Hand drücken. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich als kleines Kind Spinnen und Frösche auf der Hand hatte. Eklig waren die da nicht, aber irgendwann kommt wieder eine magische Grenze, die einem sagt: “Nicht mehr Ungetier anfassen!” Wann dieser unterschwellige Befehl einen erteilt wird weiß man eigentlich nicht. Es muss zu der Zeit sein, in der auch Pfützen nicht mehr zum reinspringen einladen, sondern uns zum außen rum gehen auffordern. Es ist irgendwann in der 5. oder 6. Klasse. Da passiert nicht nur die Umwandlung von “Ihhh! Mädchen” über “Hmmm. Mädchen…” zu “Schöne Mädchen – einfach toll!”, sondern auch eine Umstellung gegenüber des Verhaltens zu vielen anderen Sachen. Man ruft nicht mehr laut: “Juhuu! Spaghetti!”, man findet Mountainbikes besser als Kettcars, man trägt keine Gummistiefel mehr – darum sinkt wahrscheinlich auch die Frequenz des in-die-Pfütze-Springens und außerdem kuckt man irgendwie nur noch ganz wenig Zeichentrickfilme. Aufstehen tut man jetzt auch viel später. Damals ist man regelmäßig im frühen Morgengrauen als erster aufgestanden und hat sich das überlange Kinderprogramm im Fernsehen angetan. Wenn mal ein paar Mädchen-Zeichentrickfilme hintereinander kamen, dann ist man zum Kumpel nebenan gegangen und wurde meistens von der Elternseite nach Hause geschickt, weil Kumpel um 09.00 noch nicht wach war. Was für Penntüten! Dachte man. Inzwischen geht man an manch einem Wochenende nicht im einstelligen Bereich ins Bett. Da wird durchgehalten bis der Letzte aufgibt oder die Vernunft siegt. Mit Basset-Augen schleppt man sich in seine Höhle um dort den Rest des Tages zu verschlafen.

http://i26.photobucket.com/albums/c150/nateax/basset.jpg <— Ein Basset

Hundemüde ( Ha! wie passend.) schleppt man sich dann irgendwann, im besten Fall gegen Abend, im schlechtesten Fall, wenn die Bauarbeiter anfangen zu arbeiten, aus dem Bett und versucht wieder zu Leben. Irgendwie bin ich jetzt beim Thema Hund gelandet. Ist euch auch schon mal aufgefallen, dass manche Menschen nen ausgeprägten Hundecharakter haben. Es gibt den kleinen, vorlauten Chihuahua, den eiteln Pudel, den bösen Rottweiler, den treuen Bernhardiner, den schlauen, aufgedrehten Jack-Russel Terrier und viele Weitere. Gerade beim wenn man die Herrchen und Frauchen mit ihren Lieblingen spazieren gehen sieht, dann erkennt man die Leute eigentlich als erstes an ihrem Hund. Der Hund sagt viel über den Besitzer aus. Ein Skinhead mit rosa Pudel oder kleine Mädchen mit römischen Kampfhund sieht man selten. Leute aus dem Bodybuiling-Club haben keine kleinen Hunde, während ihre Freundinnen auf kleine rosa Handtaschenhunde für ihre rosa Hundehandtaschen stehen. Hier bahnt sich eine echter Krieg der Ideologien à la Hitler vs. Stalin an. Doch selbst diese beiden Unmenschen hätten eines nie getan: Keiner von beiden hätte jemals einen Golden Retriever gequält.

Warum mag jeder Golden Retriever? Jeder sieht sie mit feuchten Augen an und denkt sich nur: Och, wie süüüüß! Jedenfalls machen das bestimmt 98% der Menschheit. Auf Golden Retriever wird soviel Acht genommen wie auf schwangere Frauen. Ich habe am Wochenende folgende Lebensweisheit aufgestellt: “Schwangere Frauen sind die Golden Retriever der Gesellschaft.” Niemand schleicht sich an einen von Beiden mit einer Trompete und bösen Gedanken an, niemand würde einem von beiden einen Tritt geben, nur weil dieser weider rumjault und niemand würde einem von beiden mit scharfen Chips füttern um dann den entstandenen Durst mit Spirituosen zu sittigen… sittigen müsste doch eigentlich das Gegenstück zu sättigen sein, wenn Sitt das Gegenteil von Satt ist. Ich habe jetzt keine Lust nachzusehen.

Wau!

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