Schuld und Sühne für nur 0,99 € !

Querdenker ist ein Begriff, der nicht eindeutig positiv oder negativ ist. Er ist eben quer. Weder das Eine noch das Andere eben. Doch lohnt es sich so einen Ruf anzueignen? Denken darf man sich ja alles. Sagen nicht. Manchmal ist das ganz gut so, denn wenn jedes Mal irgendwo einer seinen Senf dazu gibt, dann sieht der Fortschritt ziemlich alt aus. Das sind keine Querdenker sondern Querulanten. Der Querdenker findet den Gammelfleischskandal vielleicht ganz gut, weil es ihn eigentlich nicht betrifft, da er immer artig sein Fleisch beim Schlachter an der Ecke für ein bisschen mehr kauft. Er findet ihn gut, da es größtenteils Leute trifft, die für 0,99 € einkaufen wollen, aber nicht für 1 € arbeiten wollen. Natürlich trifft es auch diejenigen, die sich nicht das Filet Cordon Blue vom Hofschlachter Grafenburger leisten können und die Zeitungen, die da fordern: „Fresst euren Gammel doch selbst!“ haben mal wieder ein gefundenes ( gammliges ) Fressen. Doch wie kam es eigentlich dazu? Bestimmt nicht weil der Herr Schlachter alles riskiert und seine alten Sachen an Oma Meier verhökern will, um zu sehen wie sie grün anläuft. Eigentlich haben wir uns selbst diese Grube geschaufelt und sind mit Anlauf reingesprungen. Es war doch nur eine Frage der Zeit bis so was mal passiert. Nach ‘45 hatten wir einen Verkäufermarkt und unsereins musste Blechtöpfe kaufen, weil es nur Blechtöpfe gab. Den Preis konnte der Verkäufer bestimmen, da das Verbraucherleinchen nicht den Anbieter wechseln konnte. Dann kam der Aufschwung der Markt wandelte sich zum Käufermarkt und es bildeten sich drei Schichten: Die Oberschicht kaufte sich die silbernen Töpfe für viel Geld, Der Mittelstand kaufte sich die robusten Blauen und das jetzt sogenannte Prekariat (Unterschicht) kaufte weiterhin die einfachen Blechtöpfe. In den 80er und 90ern hatte Aldi, Lidl und Konsorten ihren großen Aufschwung und  konnte flächendeckend blaue Töpfe zum Preis der Blechtöpfe verramschen. Die Blauen waren qualitativ nicht ganz so 100 % wie die vom Fachmann, aber sie sehen wie die Teuren aus und können das Gleiche. Prekariat freute sich und kaufte sich die Blauen, Mittelstand freute sich und kaufte ebenfalls die Blauen, denn nun konnten sie Geld sparen und hatten das Gefühl dem Händler ein Schnippchen zu schlagen, bzw. ein  Schnäppchen zu machen. Doofkopp Oberschicht kaufte weiter die Silbernen. Jetzt sind 15 – 20 Jahre vergangen und wir haben uns eingedeckt mit Ikea, Plus, Aldi, Mediamarkt und den ganzen Geizkrägen. Meine Herren, was haben wir nicht alles gespart! Wir haben sogar an unserer Lebensqualität gespart. Ein neuer Fernseher alle 5 Jahre? Normal! Hätte man dieses mal 1960 gesagt, dann wäre man glatt als Thronprinz oder Filmstar durchgegangen. Damals hielt so ein Teil mindestens 20 Jahre und wenn es dann mal kaputt war, dann hat man es reparieren lassen. Heutzutage lässt niemand mehr etwas reparieren, da der Aufwand in keinerlei Hinsicht in Beziehung zum erzielten Effekt steht. <- Geiler Satz! Wenn man gelernt hat, dass blaue Töpfe bei Billigheimer & co. 19,99 € kosten, dann geht man doch nicht ins Fachgeschäft und schmeißt dem Wucherer 199,90 € in den Rachen. Ha! Ich war wieder schlauer und habe wieder günstiger eingekauft, der Aldi macht noch pleite, wenn der immer alles so billig verkauft. Hihi. aber ich habe es mal wieder günstiger bekommen. Sollen die Anderen doch ihre 200 € bezahlen – ich koche mit 19,90! Jetzt noch schnell in die Tiefkühlabteilung und ein lecker Hähnchen für ein paar Cent gekauft und schon habe ich bald so viel gespart, so dass ich sozial auf ein höheres Level aufsteige. Zuhause angekommen packt der Sparfuchs den Hahn aus und kocht ihn in seinem neuen Kochtopf. Leider pappt er unten an, weil der Topf nicht ordentlich beschichtet ist und überhaupt schmeckt der Broiler irgendwie nach Mumie. Wie kommt das denn? Es kommt von der ewigen Geiz-ist-geil-Mentalität! Habt ihr es nicht gemerkt? Es ist ein Käufermarkt! Der Verkäufer muss auf die Wünsche des Kunden eingehen. Wenn Kunde billig Fleisch haben will, dann besorgt der Verkäufer Billigfleisch aus Lagerhäusern mit komischen zigarillorauchenden, manteltragenden Leuten davor. Eigentlich müsste man den Verkäufer von Billigfleisch doch loben, denn immerhin hat er seinen Ruf aufs Spiel gesetzt nur um die Wünsche des Kunden zu befriedigen. Die Typen vom Lager, die können alle wie König Ludwig von Bayern in den See hopsen, aber vor den mutigen Zwischenhändlern ziehe ich meinen Hut. Quergedacht genug? Nicht? Na dann eben: Titten sind überbewertet! Auauau!


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