Wie fang ich an? Ich habe ja schon so lange nichts mehr geschrieben… Am besten erzähle ich von früher, denn man ist ja schon alt genug für Memoiren. Also früher, es muss so zum Ende des letzten Jahrtausends gewesen sein, da gab es noch klobige Konsolen wie den Super Nintendo und die unglamouröse Playstation 1. Diese beiden Geräte waren bei jungen Vögeln so beliebt, so dass sie selbst Sonntags früh morgens auf Flohmärkten rumhüpften, um beim Spielegauner das Neueste vom Neuen zu bekommen. Der oberste Gauner war Manni. Manni war DER Spielebaron auf jedem Flohmarkt. Er hatte sie alle gehabt, ob Mortal Kombat oder die Die Hard Trilogy. Er hatte alles was ungesund für den jungen Geist und ein ausgeprägtes Sozialverhalten war. Nur die wirklich Guten durften mit Manni handeln, die Besten durften bei Manni stehen und sich mit ihm unterhalten und die Crème de la Crème durfte hinter dem Stand stehen und mit Manni zusammen die Kinder auslachen wenn diese ihr letztes Erspartes und ihre sämtlichen Konsolenspielchen gegen einmal das neue Mortal Kombat 2 tauschen dürften. Überhaupt war dieses Mortal Kombat 2 wohl das Spiel seiner Zeit. Es war nämlich nicht für den öffentlichen Verkauf bestimmt und somit eine absolute Rarität. Ich weiß noch, dass die Spiele für den Super Nintendo teuer waren 100 DM waren da locker mal drin. Aber Mortal schlug sie alle. Auf dem Flohmarkt bekam man nur auf Anfrage und gute Kontakte einen Blick auf dieses goldene Kalb. geschlagene 250 DM wollte ein Gauner dafür damals haben. Heutzutage einfach unglaublich. Bei Manni konnte man das gute Stück vielleicht etwas günstiger bekommen, allerdings muss man dafür sehr obskure Kontakte haben, denn sowas hat Manni nicht auf dem Flohmarkt verkauft, sondern nur „ab Lager“. Das Lager war sein zuhause. Wer eine persönliche Audienz wollte, der musste bei der Crème de la Crème ( Ich nenn sie jetzt mal CCs ) erst anfragen. Dann hat einem Manni einen Termin gegeben.
Es war abends und schon dunkel, als man mit einem Kumpel der den Termin beschafft hatte bei Spielebaron Manni eintraf. Doch man war nicht der Erste. Ungefähr 4 oder 5 andere Jungvögel standen schon vor der Haustür und warteten auf die Audienz. Es stand auch immer ein halbstarker Aufpasser da, der offensichtlich zu den CCs gehörte und wahrscheinlich mehrmals pro Woche seine Spiele hier tauschte. Irgendwann stand man in einer von Zigarettenqualm geschwängerten Rumpelkammer. Es war beeindruckend. Ein kleiner Raum, der bis an die Decke mit Spielen, Konsolen und Unterhaltungselektronik vollgestellt war. Manni präsentierte uns Ware, die aus Polen „beschafft“ wurde und Zeug an das er sehr günstig rangekommen ist. Es war so als ob Don Corleone persönlich vor einem Stand. Ich war jetzt einer von den Guten und vielleicht würde ich ja eines Tages, so Gott will, in den Rang eines der Besten aufsteigen. Es war wie in einem Raubtierkäfig und man musste nun beweisen, dass man entweder ein Raubtier war und nur das Fleisch. Ich war ein Raubtier!
Aber nur sehr kurz, den nach nur ein paar Wochen kam die Playstation 2 auf den Markt und der Super Nintendo wurde vom N64 abgelöst. Manni hat diese Kurve nicht geschafft. Er verkauft immer noch Super Nintendo und Playstation Spiele. Er wird auch nicht mehr Sonntags von CCs belagert und auch kleine Kinder feilschen nicht mehr mit ihm. Die Verpackungen sehen mehr schlecht als recht aus. Kein Wunder. Die sind ja auch schon mehr als 10 Jahre alt. Manni hat auch ne Frau. Wir Insider nennen sie Mannipenny in Anlehnung zu Moneypenny aus 007. Manni muss nun seinen sonst so männlich brutalen Stand mit Mannipenny teilen. Sie verkauft Glasbildchen, Blumengestecke und Selbstgebasteltes. Eine Vergolden-Retrieverung aller erster Güte. Der Spielebaron ist tot. Er wurde von der schnelllebigen Spieleindustrie und seiner Frau endgültig aus dem Verkehr gezogen. Viele Andere versuchten dieses Machtvakuum einzunehmen, aber keiner hat mehr diesen Status erreicht, wie Don Manni.
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