Wie habt ihr es am liebsten? Eine Auswahl von 1000 verschiedenen Dingen oder doch lieber keine große Auswahl?
Eine nicht ganz einfache Frage, denn schliesslich haben wir doch jeden Tag so viel zu entscheiden. Dauernd werden wir von Entscheidungen beherrscht. Wir stehen nachts am Bürgersteig und die Ampel ist rot – gehen wir trotzdem rüber? Es kommt ja kein Auto und es sieht auch keiner unsere Tat. Oder sieht sie vielleicht doch jemand? Steht hier irgendwo ein Polizeiwagen und zwei gelangweilte Ordnungshüter warten nur auf mich?… Hier haben wir eigentlich nur die Auswahl: Ja ich gehe trotzdem rüber oder Nein, ich lasse es lieber bleiben. Während wir nachdenken springt die Ampel auf grün um und wir können rüber, aber vielleicht lassen wir es auch bleiben – wäre zwar nicht logisch, aber wir könnten wieder wählen, denn die Situation ist wieder eine Neue. Es sind nur Kleinigkeiten, aber eigentlich fällt uns die Auswahl immer recht leicht, schliesslich sind es keine lebenswichtigen Entscheidungen und die Antworten lauten normalerweise immer nur Ja oder eben Nein. Wo gibt es eigentlich kein Ja oder Nein? Vielleicht wenn man die Auswahl hat zwischen einem blauen, einem roten und einem schwarzen Auto hat? Nein, auch hier lautet die Antwort der Entscheiung: “Ja, ich nehme Wagen X, aber Wagen Y und Z nehme ich nicht.” Zu dem einem sagt man Ja zu den anderen beiden sagt man Nein. Dennoch fällt uns die Entscheidung leicht, wenn es sich um drei identische Autos von verschiedener Farbe handelt. Man würde ganz einfach den Wagen wählen, der einem die passende Farbe verspricht. Schwarz wirkt elegant und man muss es nicht so häufig waschen – Nachteil es wird schnell heiss im Sommer, Rot wird eventuell schneller dreckig, aber es wird nicht ganz so heiss – Kompromiss also der blaue Wagen – Nun spielen hier natürlich noch eigene Farbvorlieben eine Rolle, aber eigentlich dürften wir uns recht schnell entschieden haben.
Jetzt ist der Markt aber anders strukturiert. Es gibt über 130 große und mittelgroße Fahrzeughersteller weltweit und wir können inzwischen zwischen “A” (Alfa Romeo aus Frankreich) bis “Z” (Zagato aus Italien) wählen. Dazu kommt ja noch die riesige Produktvielfalt jedes Herstellers. Sportwagen oder Familienkutsche? Wir müssen Marke, Modell, Farbe, Finanzierungsweg und noch soviel mehr entscheiden. Vorher müssen wir trotzdem noch Händler untereinander vergleichen, denn vielleicht kriegen wir ja das gewählte Stück irgendwo noch günstiger.
Was waren das doch noch für Zeiten als alle Welt VW Käfer oder als kreative Alternative den Citroën 2CV (Ente) fuhren. Da viel einem die Auswahl nicht so schwer. Zu Zeiten meines Vaters hat ein Junge wahrscheinlich zuerst das alte Fahrrad seines Vaters bekommen. Vielleicht wurde es vorher noch angestrichen, aber sonst hat man in dieser Hinsicht sparsam sein müssen, denn Fahrräder gab es nicht überall und haben ausserdem einfach zu viel gekostet. War ein Junge in den 50ern glücklich über ein gebrauchtes Fahrrad? Ja, normalerweise schon, denn es verlieh einem eine gewisse Mobilität und war ein kleines Statussymbol, schliesslich hatte damals nicht jeder sowas. Man hegte und pflegte diese Gurke von Fahrrad bis dann es irgendwann vom Auto abgelöst wird, welches dann ebenfalls umsorgt werden möchte. Es waren halt teure Gebrauchsgegenstände.
Heutzutage bekommt ein Junge kein Fahrrad seines Vaters, denn das wäre einfach nur demütigend für das Kerlchen. Zum Geburtstag wird dann ein Neues gekauft – denn schliesslich verdienen die Menschen inzwischen das fünffache von dem was sie in den Nachkriegsjahren verdienten – ergo Sie können sich fünf mal mehr leisten. Ein Fernseher, ein Radio oder eben ein Fahrrad sind für die Meisten keine Investitionen mehr, die wohl überlegt sein sollte. Doch zurück zum Geburtstag vom heutigen Kerlchen.
Christian ist heute 12 geworden und seine Eltern wollen ihm ein Fahrrad schenken. Die Eltern blätterten sich schon vorher durch die Angebote und entschieden sich für ein 12 Gänge Mountainbike von der Firma Kreidler. Blau ist es und bestimmt verdammt schnell. Vater durfte es dann am Vortag abholen und gutes Geld dafür bezahlen. Doch jetzt kommt der grosse Moment. Jetzt wird das Geschenk ausgepackt und Christian freut sich, aber als er dann sieht, das das Fahrrad nur 12 Gänge hat während das von Nachbarsjungen Hauke doch 20 hat ist da doch ein gewisses negatives Gefühl im Hinterkopf des Jungspundes. Jetzt hat er sein erstes neues Fahrrad und doch ist es eben nicht perfekt, denn es gibt eben Bessere und das Bessere steht nebenan in der Garage. Überhaupt wollte er lieber ein Fahrrad von der Firma Mongoose, denn Kreidler war irgendwie mehr so ne Altherren-Fahrradfirma und Mongoose war einfach cool. Die Freude ist da, aber eben nicht perfekt.
Hätte sich ein 12 jähriger in den 50ern mehr gefreut? Ja, das hätte er auch wenn das Fahrrad schlechter gewesen wäre als das des Nachbarjungen, denn schliesslich: Hauptsache Fahrrad.
Das kennt ihr doch bestimmt auch: man möchte abends mit 3 Freunden grillen und kauft ein: Kohle, Fleisch, Würstchen, Brot, Salat, Soßen und Getränke. Das alles steht auf dem kleinen Zettelchen, welches man vorher geschrieben hat. 7 einfache Sachen zum einkaufen. Dann stehen wir mit dem Einkaufswagen im Supermarkt und machen uns die Hände bei dem schweren Sack mit Grillkohle dreckig. Doch das war nicht das einzige was schwer ist. Wir kommen nämlich an die Fleischtheke: Wie soll das Verhältnis Fleisch zu Würstchen sein? Was wollen die anderen lieber essen? Schwein, Pute, Rind, Huhn oder mal was ausgefallenes wie Strauss? Wieviel soll überhaupt eingekauft werden. Man vergleicht die Portionen mit den Gästen und männlich und weiblich will abgestimmt werden. Kann ich der jungen Dame eine Currywurst zumuten oder bleibe ich lieber beim leichten Hühnerbrustfilet? Mariniert oder ohne? Jetzt haben wir einigermaßen eingekauft und kommen zum Brotstand: Baguette oder lieber Fladenbrot? Mit eingebauter Kräuterbutter oder doch lieber seperat, falls jemand die nicht mag? Tomatenbrot, Olivenbrot, Kräuterbrot feilen um unsere Gunst. Jetzt nehmen wir 3 Baguette mit: 2 mit Kräterbutter und eines ohne. Jetzt kommen wir an das Kühlragel und stehen vor ungefähr 100 verschiedenen Salaten. Es gibt jede Sorte in groß und in klein und vielleicht auch noch in light. Jetzt will mindestens so abgeglichen werden, wie beim Fleischkauf. Haben wir einen Vegetarier unter uns oder nicht? Speckkartoffel oder normaler Kartoffelsalt? Nudelsalat, Farmer, Eisberg… Arg! das fällt einem schwer. Jetzt haben wir auch hier endlich passend eingekauft, doch nun folgt die Königsdisziplin des Grilleinkaufs: Der Soßeneinauf. Es gibt ganze Regale welche mit buntgefüllten Soßen auf jeden Geschmack warten und doch wissen wir ganz genau, dass dreiviertel der Flaschen in Kühlschränken ihren Lebensabend versauern. Brav und in Reih und Glied stehen sie da wie eine Kompanie und wir sind der General der ein paar Freiwillige sucht. Wir patroullieren auf und ab und wählen unser Team aus: Sprengmeister, Scharfschütze, Maschinengewehrschütze, Pionier und Sanitäter – in diesem Fall doch eher Chiliketchup, Barbequeketchup, normaler Ketchup, Knoblauchsoße und Zigeunersoße. Die ganzen exotischen Abteilungen wie sonnengetrocknete Tomaten, Afrika-Ketchup oder chinesisches Allerlei lassen wir mal lieber stehen, denn wir brauchen keine Flottillenapotheker, Musikzug-Trompeter oder Smutjes in unserem schlagkräftigen Team. Jetzt noch die Getränke: Schwer genug, denn schliesslich ist auch hier jeder Geschmack anders und man kann sich leicht vertuen – also kauft man so nen Standart ein: einen Kasten Becks und einen Kasten mit Cola, Fanta, Sprite.
Dann kann es ja losgehen. Die Gäste, nennen wir sie spasseshalber mal Hugo, Berta und Claudia.
Schnell bemerken wir, dass uns die Kohleindustrie mal wieder über das Ohr gehauen hat, denn als wir den Grill auffüllen, da bemerken wir das nur 3/4 der Kohle reinpasst. was alsomit dem Rest machen? Für nächstes mal aufheben oder sinnlos verfeuern? Man selber und die Gäste rechnen durch: Nächstes mal haben wir dann nen halben Sack übrig und danach nen Dreiviertel und schliesslich können wir dann beim 4. mal den Rest aufbrauchen. Toll, wann soll den das sein? Wenn wir Pech haben erst nächstes Jahr und solange soll da ein Sack mit stinkenden Kohlen in der Garage lauern? Na das sind ja tolle Aussichten. Außerdem wird er nächstes Jahr sowieso zuerst vergessen, dann denkt man irgendwann dran und freut sich nur kurz über das gesparte Gel, denn inzwischen sind die Briketts feucht geworden und schon muss man zur Tankstelle rennen und sich nen doppelt-teueren Sack Kohle zulegen.
Claudia ist gerade wieder auf diesem Gesundheitstrip und möchte wissen woher das Fleisch denn bitte komme. Leider kann ich ihr keine präzise Antwort geben und behaupte einfach: “Qualitätsfleisch aus deutscher Freizucht vom Schlachter!” In Wirklichkeit war es eventuell auch Restfleisch von Hühnertrümmern aus rumänischer Stallhaltung, aber ich glaube eher nicht.
Hugo und ich wollen gerade mit einem Bier anstossen, da wird man angerüffelt: “He, wartet mal! Wenn dann alle!” Jetzt wollen sich die Frauen was einschenken, aber nur Berta schenkt sich eine Cola ein. Claudia mag dieses süsse Zeug gar nicht und holt sich aus der Küche ein Glas Wasser. Leider habe ich keinen Saft gekauft und deswegen muss ein Gast jetzt Wasser süffeln… Doch noch nicht genug gesüffelt, den ich habe beim Bierkauf leider nicht auf die Kiste geachtet und schwupps, sitze ich auf 18x 0,5l Flaschen alkoholfreien Bieres. Wir beide steigen heute Abend dann wohl auf Cola um.
Das Fleisch ist nach 20 Minuten alle und die Würstchen schauen mich vorwurfsvoll an. Also irgendwie will euch heute keiner. Nur widerwillig werden 5 von den ingesamt 30 gefuttert und nun sitzte ich auch noch auf einem Patronengürtel aus 25 kleinen Würstchen.während der Chiliketchup sofort leer war, wurde der Knoblauchsud nur geöffnet und hämisch dran geschnuppert. Das Brot kam einigermaßen gut an nur hätte ich lieber 1 Kräuter und 2 ohne kaufen sollen den Berta mag die Kräuter garnicht und Hugo nur ungern.
Irgendwann verschwinden die Gäste wieder und man zieht ein Resümee: Das Fleishc ist alle – dafür hat man noch 25 Würstchen, die möglich schnell gegessen werden wollen, da sonst der Verderb droht. Ein Viertel Sack Kohle wird in die Garage geschleppt gleich neben der Kiste mit der Fanta und Sprite, denn nur Berta hat eine halbe Flasche Fanta getrunken, sonst wurden die beiden Sorten eingentlich gar nicht angerührt. Die leere Flasche mit der Chilisoße wird entsorgt und auch die doch zuende gegangene Zigeunersoße wird wegen mangelndem Inhaltes ihren schnellen Weg in den Container finden. Doch der Normale und der Curryketchup wird noch eine Weile im Kühlschrank fristen, die Knoblauchsoße wird noch aufgehoben und dann irgendwann stellt man fest, dass sie abgelaufen ist und entsorgt auch diese. Nur der Salat, der ist wirklich gut angekommen und wurde restlos verzehrt. Vielleicht war dieser auch zu wenig.
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Was lernen wir aus dieser Geschichte? Wer die Wahl hat hat die Qual. Der Einkauf dauert länger und man ist nie wirklich zufrieden, denn man hätte es ja besser machen können. Manchmal wünscht man sich doch, dass es nur standartisierte Kohlesäcke gäbe, die mit der Grillherstellungsindustrie vereinbart worden sind, es nur 3 statt 300 Sorten Ketchup gäbe, gleiches gilt für Salat, Brot, Getränke und Fleisch. Man könnte dann eigentlich immer nur alles Richtig machen und müsse sich nie etwas vorwerfen lassen. Wohlstand und Produktvielfalt macht nicht glücklich, sondern nachdenklich. Produktmonotonität und Wohlstand könnte viel glücklicher machen. Die Freiheit zu wählen kann nämlich ziemlich hinderlich sein, wenn es ins Detail geht. Es gibt dafür sogar Beweise: In den USA wurden von Arbeitgebern lange nur zwei oder drei Möglichlichkeiten der Altersvorsorge geboten. Nun gibt es über 30 Möglichkeiten, welche auf Personen abgestimmt werden können. Annahme ist hier: Je mehr Möglichkeite desto mehr werden mitmachen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Die Zahlen der Mensche, die sich um ihre Altersvorsorge kümmern nimmt ab. Nun müssen nämlich aufwendige Vergleiche gemacht werden und man verschiebt die Entscheidung immer weiter und weiter und macht dann doch keine.
Man kann sich das schönste und beste Stück in einem Laden kaufen, aber trotzdem sind wir nicht zufrieden, denn bei einer solchen Auswahl hätten wir bestimmt noch ein Besseres finden können.
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